Ode ans Nichtstun.


»Mama! Du sitzt nur faul rum.«, hör ich es von weit, weit weg. Ich hocke im Garten auf einer Treppenstufe. Nur langsam findet mein Geist wieder ins Hier und Jetzt zurück. Wie hat mich mein Kind da gerade genannt? In der nächsten Sekunde will ich mich empören, dann beruhige ich mich aber und denke – Ihr ahnt es womöglich – an Astrid Lindgren. Es ist verdammt noch mal okay, nichts zu tun, liebes Instagram! Capisce? 

Denn es ist, wie Astrid Lindgren eben sagte:
»Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hinzuschauen.«

In den letzten Wochen hatte ich viel von dieser Zeit. Ich verbringe sie unter anderem auch damit, irgendwo gemütlich zu sitzen und aus Pippi Langstrumpf oder einem anderen Buch vorzulesen. Insgeheim staune ich dabei: Wie leicht ein Kinderbuchleben so ist und wie lässig Pippi, die erstaunlich häufig auf ihrer Veranda sitzt und die Füße hochlegt. Oder die einfach mal so zwischendurch ein Nickerchen hält, weil sie eben müde ist, fangen mit Polizisten spielt, weil sie halt grade Bock drauf hat, auf Bäumen Kaffee trinkt – weil sie es kann. Ich möchte wie Pippi sein.

Was aber machen wir – zumindest viele von uns – mit der gewonnenen Zeit, die wir plötzlich haben (gesetzt den Fall, es geht uns gut)? Wir denken zuallererst daran, diese möglichst effektiv zu nutzen: schnell das Buch schreiben, den Garten, die Wohnung frisieren, Bananenbrot backen, Bürokrams erledigen, Schränke ausmisten. Eben all das machen, was wir sonst nie schaffen. Etwas tun, das sich nachher lohnt für uns. Oder für wen machen wir das?

Dabei beweist es doch gerade auch wieder der Sport: Nichtstun lohnt sich auch. Es sind die Ruhephasen, die die Superkompensation ermöglichen, die Anpassung der körperlichen Funktionssysteme an eine zuvor geleistete Belastung. Damit wir immer ein kleines bisschen besser und stärker werden. Das kann man auch prima auf den Alltag übertragen: Je mehr ich leiste, desto mehr Ruhe brauche ich anschließend (natürlich funktioniert das nie …). Je mehr Ruhe wir hatten, umso besser können wir anschließend wieder powern. (Wenn wir denn überhaupt powern wollen.) Wieso fällt es vielen von uns dann trotzdem so schwer, sich einfach mal zurückzulehnen und gar nichts zu tun (einschließlich mir selbst)? 🤷🏽‍♀️


Das denke ich mir, als ich da so sitze und nichts tue. Das heißt, ich tue ja schon wieder was: Ich sortiere meine Gedanken, verarbeite, denke nach und fühle mich ganz gut dabei. Bis ich zu meinem Handy greife … Ihr kennt das … 😌

Selbstverständlich tue ich dazwischen auch vermeintlich »richtige« Dinge wie aus Pippi Langstrumpf vorlesen, Radfahren, Laufen gehen, Gewichte stemmen, arbeiten … Aber alles scheint eben eine Frage der richtigen Balance. Denn nie wurde uns das wohl klarer als gerade jetzt in der Zeit, in der wir Freunde vermissen, die Schule, die Kita, das Fitnessstudio, das Büro, das Lieblingsrestaurant, kurz: den Alltag mit seinen üblichen Herausforderungen. Wenn Corona für was gut ist, dann dafür: Uns zu zeigen, was wir haben und was wir wirklich brauchen. Das bewusste Nichtstun, in dem wir uns ohne schlechtes Gewissen verlieren können, gehört da genauso dazu wie das Tun. Selbst Pippi macht regelmäßig ihre Übungen: Jeden Morgen 43 Überschläge, danach trinkt sie aber gemütlich Kaffee.

Nächste Woche hab ich übrigens ein neues Bauch-Workout-Video für Euch. Die Übungen könnt Ihr machen, wenn Ihr Bewegung vermisst. Sie verbrennen ungefähr so viele Kalorien wie 43 Überschläge. Danach solltet Ihr unbedingt in aller Seelenruhe einen großen Kaffee trinken. Oder mit Polizisten Fangen spielen, wie Ihr mögt 😉🙌🏼   

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