Dienstag, 4. Januar 2011

Interview mit einem Laufband.

Das Laufband. Nicht sehr beliebt – aber grade im Winter trotzdem gefragt. Ich kann’s eigentlich gut leiden. Ich würde es sogar als einer meiner Freunde bezeichnen. Aber wusstet Ihr, dass es ganz schön zart besaitet ist? Ja, um ehrlich zu sein, ist es ziemlich gefrustet. Ich hatte Mitleid mit dem Kleinen und mich mal seiner angenommen …

Zwischen Laufband A und uns Sportlern
läuft‘s – nur nicht immer gut.
KÖRPERGOLD: Hey, Laufband! Na, wie geht‘s?

Laufband: Jo, läuft!

KÖRPERGOLD: Sag mal, Du A, wie lange stehst Du hier schon?

Laufband: Ja, schon so ‘ne Weile.

KÖRPERGOLD: Und Dein Job macht Dir Spaß?




Laufband: (stöhnt) Wenn man davon absieht, dass ich eigentlich keine wirkliche Daseinsberechtigung habe …

KÖRPERGOLD: Was meinst Du denn damit jetzt?

Laufband: Hallo? Bis heute weiß ich nicht, warum überhaupt wer auf mir läuft. Wieso gehen die nicht raus an die frische Luft? Ist doch irgendwie … merkwürdig, sich für mich zu entscheiden …

KÖRPERGOLD: Joa, schon merkwürdig, aber es gibt auch triftige Gründe.

Laufband: Ach, Schwachsinn! Und außerdem, was würdest Du sagen, wenn da so Vollspaten auf Dir rumtrampeln wie blöde. Die kommen dann auch so mit ihren Converse an. Neulich war eine ältere Dame auf mir, sie trug – Achtung – Turnschläppchen! Das war schon irgendwie sehr demütigend.

KÖRPERGOLD: Okay – aber sonst ist das doch sicherlich ganz interessant so eine breite Gruppe an Benutzern zu tragen, oder?

Laufband: Wenn sie denn respektvoll mit dir umgehen würden, ja! Da wird auf dem Display rumgehackt, als würde es kein Morgen geben. Geflucht, weil ich nicht schnell genug in die Gänge komme. Sauber gemacht werde ich auch nicht. Und solche Geschichten. Es kommt schon vor, dass ich mich dann räche.

KÖRPERGOLD: (etwas unsicher) Ach, ähm, das sieht wie aus?

Laufband: Na, ich bleib dann einfach stehen. Oder an ganz miesen Tagen, werf ich einfach ein paar Leute ab. Die verheddern sich plötzlich, stolpern. Rudern wild mit den Armen. Und dann sind sie weg. Verschwunden … Das ist der Moment, in dem ich erleichtert aufatme. Tut mir leid. Das wollt ich so gar nicht sagen. Bin halt eher der offenherzige Typ …

KÖRPERGOLD: (sprachlos, verlegen & verwirrt) Ach, Ehrlichkeit ist ja ein netter Charakterzug. Aber erzähl uns doch mal was über die Laufstile der Leute. Fällt Dir da was auf?

Laufband: (verdreht die Haltegriffe) Ich kann‘s kaum mit ansehen. Ein Läufer muss sich aus der Hüfte bewegen können, oder? Wie viele das machen? Kaum einer! Die stampfen mit den Füßen auf mir herum und sorgen dafür, dass nicht nur ihre eigenen Sehnen und Gelenke verschleißen, sondern ich noch mit dazu! Fast alle brauchen mehr Beweglichkeit in der Hüfte. Dann klappt das auch mit den optimal abgestimmten Bewegungsabläufen zwischen Armen, Beinen und Füßen und das Wichtigste: das Verletzungsrisiko wird gesenkt – und für mich läuft‘s dann auch viel entspannter.

KÖRPERGOLD: Interessant. Welches Training rätst Du?

Laufband: Stabilisierungsübungen auf weichem Untergrund, Balancetraining, Core-Training … mach da mal was!



KÖRPERGOLD: 
Klar. Ich hab das auf’m Zettel. Danke Dir!

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Es ist aber auch nicht so leicht mit den sich bewegenden Fußböden. Ich bin auch schon mal hingefallen. *schäm*

KÖRPERGOLD hat gesagt…

Die Rache des Laufbands … Wär mir auch beinahe mal passiert – doch ich konnte in letzter Sekunde so Superheldinnen-mäßig abspringen. Schön ist, dass man damit die Aufmerksamkeit ALLER Menschen auf sich zieht.