Mittwoch, 31. August 2011

Handy oder Hantel?

„Moment. Ich muss da mal ran.“,
sagt sich der Handymann.
Alle zwei bis fünf Minuten.
    
Der Handyman (so nenn ich ihn gern) hat Muskeln. Eine ganze Menge! Ein Handy hat er auch. Was er allerdings nicht hat, ist ein Gehirn. So scheint es zumindest. Mit seinem Handy versucht der Handyman dieses ungünstige Missverhältnis zwischen Muskeln und Gehirn wieder auszugleichen. Na ja … was soll ich sagen? Es gelingt nur sehr bedingt. Oder wie erklärt Ihr Euch folgendes Erlebnis?
Ich, mutig. Denn ich trainiere auch mal selbst – und zwar direkt neben dem Handyman. Und der telefoniert, was nicht sonderlich überrascht. Linke Hand Handy, rechte Hand Hantel. Dass man das in diesem Fitnessstudio eigentlich nicht darf, ist ihm egal. Vielleicht checkt er’s auch nicht. Ist ja auch wahnsinnig schwer zu kapieren, wenn man das Wort Rücksicht mit dem Smartphone noch gar nicht gegoogelt hat. Der Handyman macht also vier, fünf halbherzige Bizepscurls und blökt währenddessen ein paar abgehackte Sätze in sein Handy. Ziemlich laut. Ich höre, wie er und sein Kollege sich darüber streiten, wohin’s heute Abend noch zum Feiern geht.
„Moondoo, oder was? Nee Dicker lass mal lieber woanders hingehen. Was? Bist du bescheuert? Alter, nee, da geh ich nicht mehr hin. Die ham mich da rausgeworfen, die Säcke!“ (Es ist klar, warum …)
Ich gucke. Und zwar ihm direkt ins Gesicht. Oh – und schau an, die nonverbale Kommunikation scheint er zu verstehen: Er senkt seine Stimme. Für zwei Sekunden.
„Alter, lass ma IndoChine, du weißt warum, ne?“
Ich maße mir an, die Hantel zu nehmen, die er inzwischen achtlos auf den Boden gelegt hat.
„Hey, hallo? Die brauch ich noch!“, empört er sich.
Ah, okay. Ich schüttle den Kopf und nehme still protestierend die nächst schwerere Hantel, in der Hoffnung, irgendwann so stark zu sein, dass ich mich problemlos mit ihm anlegen kann. Heute mag ich nicht. Heute mag ich nur trainieren. In Ruhe …
„Jaa Dicker, hol mich einfach um zehn ab, Alter. Ja, schon gut. Ja, ja.“
Leute drehen sich schon um. Wir verdrehen einheitlich sympathisierend unsere Augen gen Himmel, sind aber ratlos. Oh, da! Trainer im Anmarsch.
„Entschuldigung? Sie wissen, dass sie hier NICHT telefonieren dürfen?“
„Ach, echt nich'?“, der Handyman wirkt umwerfend überzeugend und packt sein Handy mit einer provokanten Geste in die Tasche.
„Besser?“
„Viel besser!“, sagt der Trainer.
Ich bin nicht die einzige, die ihm um den Hals fallen möchte. Weil er so nett ist, plaudere ich noch ein bisschen mit ihm. Ein Plausch unter Kollegen. Und wir beschließen, so etwas wie den BBI für Fitnessstudios einzuführen. Brain-Body-Index. Unter einem gewissen BBI wird keiner mehr reingelassen. Wer sich zutraut, eine nützliche Formel berechnen zu können, bitte melden! Für jeden Freiwilligen wird es Geschenke regnen.

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