Mittwoch, 20. Juni 2012

Fremdgehen.

Der Motobécane-Oldtimer aus den 80ern.
Ich hab’s getan! Ich habe es betrogen. Mein liebstes Hobby hab ich mit einem anderen hintergangen. Ja, hört an dieser Stelle ruhig auf zu lesen. Straft mich mit Missachtung, beschimpft mich, wendet Euch ab. Ich hab’s nicht anders verdient.
Alles begann so harmlos. Mit einem Grillabend, an dem ich zum wiederholten Mal salopp den Wunsch äußerste, endlich ein Rad zu besitzen. Nach knappen 15 Jahren ist so ein eigenes Zweirad echt wieder angesagt.
»Ich hab da noch eins, weißt Du ja!«, sagte mein Onkel Helmut zu mir. (In Wahrheit sagte er »Isch hab do jo noch eens. Weeescht jo!«) Und ja, ich kannte das Rad von dem er sprach noch aus meinen Kindertagen. Ein schmuckes Rennrad – schon damals fand ich’s cool, aber ich war zu klein, um auch nur annähernd mit den Füßen an die Pedalen zu kommen. Heute bin ich immer noch klein, aber an die Pedalen komm ich jetzt richtig gut ran. Ich hab’s getestet. Mehrmals. Onkel Helmut befreite das coole Rad aus seinem Gefängnis namens Dachboden und ich drehte fortan meine Runden. Erst vorsichtig. Dann ziemlich rasant. Schon nach ein paar Metern war klar: Ich muss das haben! Ich muss es einfach mit in den Norden nehmen. Eine gefühlte Ewigkeit dauerte es, bis das Rad in Hamburg ankam. Jetzt ist es da – und leider auch schon wieder weg: Ich hab’s zu Minks Bike Shop in die Osterstraße gebracht und da wird’s erst mal ordentlich aufpoliert. Es bekommt z.B. blaue Reifen (goldene gab’s nicht)! 
Trotz meiner großen Freude weiß ich doch: Ich benehme mich liederlich. Meine große Liebe Laufen leidet. Ich hab ein unbändig schlechtes Gewissen, weiß aber: Ich werde das Laufen immer wieder betrügen müssen. Das Rennradfahren macht einfach zu viel Spaß. Und überhaupt: Ich hab zwei Berufe, zwei Heimatorte – kann ich nicht auch zwei Lieben gleichzeitig haben? Mann, ich weiß echt nicht, wie Ihr Triathleten das macht. Eine dritte Disziplin wär mir definitiv zu kompliziert. Gut, dass ich nicht schwimmen kann!

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