Mittwoch, 28. November 2012

Mädchen.

Mädchen, bitte Platz nehmen!

Ich laufe schnell. 15 km/h. Schneller kann ich nicht. Und noch 30 Sekunden muss ich. Schweiß tropft mir von der Stirn. Ein bisschen Make-up und Lidschatten sind da noch mit dabei. Ist mir aber egal. Ich treibe Sport und wenn, dann richtig. Das Mädchen neben mir sieht das völlig anders. Ich weiß nicht genau, was sie da auf dem Laufband treibt. Aber laufen geht anders. Sie schüttelt in gleichmäßigem Rhythmus ihre lange Haarpracht von rechts nach links und dann wieder von links nach rechts. Wow, sieht beeindruckend aus, denk ich. Aber eine richtige Sportart ist das ja jetzt nicht. Außerdem macht mich das sehr, sehr nervös. Ich muss mich konzentrieren, damit mich die 15 km/h nicht ruck, zuck sonstwohin katapultieren.
Mein Organismus schüttet Stresshormone aus, ich kann’s deutlich spüren. Und schuld ist das Mädchen in der kurzen, grünen Hose, das jetzt ganz gelassen auf einem iPhone rumtippt und seine Haare von links nach rechts wirft. Sie zupft an der Hose und guckt sich um, bevor sie ihre Haare wieder planmäßig von rechts nach links wirft. 
Endlich. Mein Intervall ist fertig, ich drossle das Tempo, wische den Schweiß mit dem Handtuch weg. Das Mädchen neben mir wirft ihre Haare von links nach rechts und ich kann nicht mehr: Ich drehe mich wütend zu ihr rum und gucke sie böse an. Sehr böse. So böse wie ich nur kann! Sie aber kontert nur, indem sie unbeeindruckt ihr Top zurechtzieht und die Haare wirft. Ihr wisst schon: von rechts nach links. Ich bemühe mich um Gleichgültigkeit, so wie sie. Aber sie kann es deutlich besser als ich.
Meine Einheit ist zu Ende und ich lasse das Mädchen zurück. Versuche mein Glück in der Jungsecke, die Ecke mit den Hanteln. Das heißt, ich dachte, es sei die Jungsecke. Denn da steht ein Junge – ich könnte schwören er ist Hollister Storemodel oder so was – im Abstand von etwa fünf cm vor dem Spiegel. Er checkt zuerst die Länge seiner Hosenbeine, krempelt eines davon hoch, fährt sich – und ich lüge nicht – mit der Hand durchs Haar, wirft den Kopf in den Nacken und betrachtet sich erneut.
Mal mit aller Absicht so trainieren,
dass man nachher garantiert scheiße aussieht.
Sehr befreiend. Echt!
Von dem Anblick irritiert, taste ich in meiner Jackentasche instinktiv nach meinem Lipgloss. Aber dann fällt mir dieser Spruch ein, den ich neulich gelesen habe (siehe oben). Ich denke »Pah – ihr seid doch alle Mädchen!« Werfe meinen eigenen Kopf in den Nacken und mache grimmig guckend ein paar Klimmzüge.

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