Mittwoch, 27. März 2013

Aufräumkommando.

Manchmal werfen wir ein Leuchtzeichen an den Himmel.
Manchmal sind sie auch einfach schon da, wenn man sie braucht.
Eine Frau stürmt auf mich zu. In ihrem Gesicht: das blanke Entsetzen. Hat sie da Schweißperlen auf der Stirn? Noch bevor sie den Mund öffnet, weiß ich, dass ich jetzt ganz, ganz ruhig bleiben und wahnsinnig verständnisvoll tun sollte. Ich rüste mich innerlich. Und dann sagt sie mit zittriger Stimme: 
»Sie sollten mal ganz schnell ein Reinigungspersonal zur Damentoilette schicken. Das … geht gar nicht!!« – dann lässt sie mich stehen. 
Ich schlucke und werfe der Damentoilette einen ängstlichen Blick zu. Dort selbst mal nachzusehen, erspare ich mir. Ich vertraue der Frau und tu, was sie mir aufgetragen hat: Ich ruf wen vom Housekeeping-Team des Fitnessstudios. Die sind so furchtlos wie man sich nur vorstellen kann, mutig und tapfer obendrein.
Als ich Branka aufgeregt erkläre, worum es geht, lässt sie mich gar nicht erst ausreden. Sie winkt ab, wirbelt einmal herum und verwandelt sich in meine persönliche Superheldin. Ihre Power: Säubern. Lächeln. Lustig sein. Sie sprintet drauf los, die Haare flattern hintendrein und dann verschwindet sie hinter der Tür. Ich bin froh, dass ich nichts mitbekomme, von dem was dahinter liegt. 
Manchmal staune ich. So sehr, dass ich mich dabei ertappe, wie ich sie, Branka, mit offenem Mund anstarre. Sie beseitigen Haarballen in der Umkleidekabine, benutzte Handtücher, vergessene Schuhe und viele Dinge, von denen wir nichts wissen wollen. Sie macht alles wieder schön, was die anderen dreckig gemacht haben. Und diesen Job erledigt sie mit einer solchen Bravour und einem solchen Geschick, dass ich mich manchmal frage, ob er eigentlich besser ist, als mein Trainerjob. Vielleicht sollte ich sie mal fragen, ob wir einen Tag tauschen? Aber dann erinnere ich mich wieder an die Frau mit den Schweißperlen auf der Stirn und der zittrigen Stimme. Und an »Die Unterhose« … Also besinne ich mich doch eines Besseren. 
Die Superheldin kommt aus der Damentoilette. 
»Halb so wild!«, sagt sie, schultert ihren Wischmob und zwinkert mir beim Gehen zu. Wieder einmal hat sie die (Fitnessstudio-)Welt gerettet. Es wird mit Sicherheit nicht das letzte Mal gewesen sein. Leider. Wusstet Ihr nämlich, dass in jedem von uns selbst ein kleiner Superheld steckt? Echt. Einfach keine Schlüpfer rumliegen lassen, den Müll und die Handtücher wegräumen und schön die Toiletten sauber halten. So einfach ist das. Das Housekeeping-Team dankt.

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